Schönheit des zuhörens
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mein herz küsst dein herz

Es gibt lineare Zeit und die Zeit der Unendlichkeit. Und es gibt den Ort, an dem sie geschieht und du sie spürst.
Ich nehme mir Zeit. Nicht als Stunden und Minuten, sondern als das, was sie im Kern ist: Aufmerksamkeit. Wer zu mir kommt, wird gehört – wirklich gehört. Denn Zuhören ist die älteste Form der Zuwendung. Und wer sich gehört fühlt, beginnt zu blühen.
Komm herein. Ich habe Zeit für dich.
„Ich bin da. Wahrhaftig da."
In Michael Endes Momo gibt es einen Ort: eine alte Ruine, in der ein kleines Mädchen namens Momo allen zuhört – den Kindern, den Erwachsenen, den Zweifelnden. Momo stellt keine Fragen und gibt keine Ratschläge. Sie ist einfach da, ganz gegenwärtig. Und gerade deshalb finden die Menschen bei ihr zurück zu sich selbst – und zueinander.
An diesem Bild halte ich mich fest. Ich bezeichne es als meine Jurte.
Ich bin kein Unternehmen, das Erwachsene und Kinder analysiert und nach Anweisung begleitet. Ich bin ein Rund aus Stufen und Rängen, in dem jeder seinen Platz hat und jeder in die Mitte schauen darf – wie in Momos Amphitheater. Hier wird zugehört: dem Kind, das stockend erzählt; dem Jugendlichen, der zum ersten Mal widerspricht; der Mutter, die Sorgen mitbringt; dem Mann, der seine Traurigkeit und Wut unterdrückt; dem Lehrer, der mit Fragen kommt. Und jedem Archetypen in dir – vor allem dem ungesehenen Kind, dessen Schmerz du vielleicht noch in dir trägst.
Zuhören ist für mich keine Technik, die man erlernt und abhakt. Es ist eine Haltung – die Haltung, mit der alles beginnt: Staunen, Vertrauen, Lernen, Gemeinschaft.
„Ich lasse dir deine Zeit, dein zyklisches Sein."
Endes graue Herren rauben den Menschen ihre Zeit, indem sie ihnen einreden, Zeit sei Geld – und Leben sei Sparen. Das Gegenteil ist wahr: Zeit ist Leben. Wer sie „spart", verliert sie.
Deshalb lehne ich das Diktat der Beschleunigung ab – nicht aus Nostalgie, sondern aus Erfahrung:
- Ich bin da, bevor ich etwas tue. Gegenwart ist mein erstes Geschenk an dich
- Ich höre zu, bevor ich antworte. Auch den kleinsten und unausgesprochenen Worten.
- Ich vertraue, bevor ich fordere. Ein Mensch entfaltet sich nicht in Prognosen, sondern in Präsenz und in Vertrauen.
- Ich schweige, wenn Stille genug ist. Es gibt bei mir Augenblicke, in denen vermeintlich nichts passiert– doch alles spürbar geschieht.
Die schönsten Momente, so heißt es bei Ende, geschehen nicht, weil man sie herbeiführt, sondern weil man sie eintreten lässt. Ich bereite den Raum. Alles andere gehört dir.
„Ich beginne mit Ankunft."
Ein Tag bei mir beginnt nicht mit Hetze, sondern damit, dass jeder ankommen darf. In seinem Rhythmus, mit der aktuellen Energie und den Themen, die gerade kreisen.
„Ich schenke dir Flügel."
In Momo heißt es, Momo habe den Menschen geholfen, „sich selbst anzuschauen" – sie habe zugehört, „wie der Wind den Segeln eines Bootes zuhört".
Was du bei mir findest:
- Ich sehe ganz - mit den Augen eines Falkens
- Ich nehme mir Zeit statt Verfahren. Du bist für mich Mensch und kein Fall.
- Ich höre dir zu - ohne mahnenden Finger und Verurteilung
- Ich halte den Raum offen
Denn die Erinnerung an eine glückliche Kindheit ist, wie Momo weiß, die Zeit, in der jemand da war. Ich möchte, dass du eines Tages genau daran denkst.
Gestalten – „Ich freue mich auf deine Blume."
Wenn bei Momo die Kinder ins Amphitheater zurückkehren, bringt jeder ein Stück seiner Welt mit – und gemeinsam entsteht ein neues Spiel. So verstehe ich Gemeinschaft: Aus vielen Beiträgen wächst das Ganze und ich glaube an eine Welt der blühenden Schönheit.
Du bist Teil dieser Zeit:
- als Mensch, der mitgestaltet, mitfragt und mitträgt;
- als Freund und Förderer, das dort hilft, wo gerade wahrhaftige Begegnung gebraucht wird;
- als Künstler des Alltags, der die Räume hält, in denen wahrhaftige Begegnung stattfinden kann.
- als Zuhörer – das ist weltenreicher Frieden: dasein, anhören, inspirieren, ermutigen.
„Nichts ist zu gering."
Komm vorbei. Setz dich. Erzähl mir, was dich bewegt.
Denn ein Herz schlägt nicht lauter, wenn man es zur Eile antreibt – es pulsiert, wenn man ihm Raum gibt.
Ein Gespräch dauert bei mir so lange, wie es guttut. Das ist keine Ausnahme. Das ist mein Versprechen.